Musikkapelle Altoberndorf e.V.

242017Okt Ausdruck lebendiger Freundschaft

Schwarzwälder Bote / Claudia Holzer-Rohrer

Von liebevollen Aufmerksamkeiten über emotionale Reden mit inhaltlichem Tiefgang bis hin zum großartigen Konzertabend waren die beiden Tage in Thierville und Verdun davon geprägt, was diese deutsch-französische Partnerschaft ausmacht: eine lebendigen Freundschaft.

Oberndorf/Thierville. Ohne Wenn und Aber war die Musikkapelle Altoberndorf der Einladung der "Harmonie Municipale de Thierville" (Stadtkapelle Thierville) gefolgt, um gemeinsam das siebte Friedenskonzert zu bestreiten. Begleitet von Bürgermeister Hermann Acker und den beiden Menschen, die maßgeblich am heutigen Gesicht der Städtepartnerschaft von Oberndorf und Thierville gearbeitet haben – Detlef und Patricia Hagedorn – wurde diese Begegnung zu einem weiteren Höhepunkt und perfektem Abschluss der 35-jährigen Jumelage. Mit einem Programmbeitrag des Le-Persé-Circus beim Oberndorfer Bürgerball stand der Sport im Vordergrund, bei der gemeinsamen Reise nach Brüssel war es die Politik, und nun kam die Kultur zum Zuge.

Den hohen Stellenwert, den die Musikkapelle Altoberndorf in Thierville genießt, hat sie sich sprichwörtlich erspielt. Für die Oberndorfer Stadtverwaltung hat sie sich stets als verlässliche Größe gezeigt und so den Weg durch 35 Jahre Städtepartnerschaft im kulturellen Bereich ganz entscheidend mitgepflastert.

Sie waren es auch, die 2011 mit der Stadtkapelle Thierville die Friedens-Konzertreihe ins Leben gerufen haben. Zwischenzeitlich sind sie bereits sieben Mal im Rahmen verschiedener Veranstaltungen aufgetreten und haben nicht nur musikalischen Eindruck, sondern auch eine ganz bestimmte Erwartungshaltung hinterlassen. Diese lag dann auch spürbar in der Luft, nachdem die Thierviller Stadtkapelle unter der Leitung von Paul Ewangue an Volker Rückert und die deutschen Musikerfreunde übergab. Gesten der Freundschaft, des gegenseitigen Wohlwollens, der Achtung und des Respekts gab es auf vielfältige Weise zu entdecken. Gekonnt, humorvoll und sehr charmant führte Mathieu Hagedorn in französischer Sprache durch das Programm und als beide Kapellen sich im Finale vereinten und ihre Musik von Frieden und Freiheit erzählte – Genuss und Mahnung zugleich.

Emotionale Momente

Bewegend war der Moment, als Orane Clayes den Menschen im übervollen Saal mitteilte, dass dieses zweite Friedenskonzert mit der deutschen Partnerschaftskapelle dem kürzlich verstorbenen Ehrenvorsitzenden der Musikkapelle Altoberndorf, Michael Frädrich, gewidmet sei. "Das hat mich sehr berührt" – so Gert Frädrich über diese Ehre, die seinem Vater postum zu Teil wurde.

Nach langer gemeinsamer Feier und entsprechend kurzer Nacht stand das nächste Highlight im Stadtpalais von Verdun an. "Wir wissen es zu schätzen, in diesen ehrwürdigen Räumen empfangen zu werden" sagte Hermann Acker. Eine ergreifende Spannung breitete sich aus, als Rückert im Ehrensaal zum Taktstock griff, dort, wo Angela Merkel sich als erster deutscher Regierungschef einst ins Goldene Buch der "Stadt des Friedens" eingetragen hat.

Samuel Hazard, der Bürgermeister von Verdun, verwies auf das legendäre Foto von Francois Mitterrand und Helmut Kohl, die sich 1984 in Verdun die Hände reichten und bezeichnete es als Teil der gemeinsamen Geschichte, aber auch als Auftrag für die Gegenwart und Zukunft.

"Es ist uns ein großes Anliegen, an diesem Bild, am Werk des Friedens, weiter zu arbeiten, indem wir die Partnerschaft leben – nicht nur seitens der Verwaltung, sondern aus der Bürgerschaft heraus, so wie es die Musiker beispielhaft tun" versicherte Hermann Acker. Samuel Hazard bekannte seine Liebe zur deutschen Kultur, die er als Austauschschüler vor rund 25 Jahren in Oberndorf entdeckt habe. Hier habe er auch Detlef Hagedorn als Lehrer kennen und als Mensch schätzen gelernt. "Ohne ihn würden wir heute nicht hier stehen." Mit dem Herzen hätte Hagedorn als Motor der Partnerschaft die Kontinuität gegeben, wofür ihm seine ganze Bewunderung gelte. Detlef Hagedorn war so gerührt, dass seine Frau Patricia übersetzen musste. Claude Antion, der Bürgermeister von Thierville, lud die Altoberndorfer Musikkapelle zum sprichwörtlichen "Schlussakkord" in internationalem Rahmen in die "Hauptstadt des Friedens" ein. Doch auch in Oberndorf wolle man ein Zeichen setzen – mit der Teilnahme am Volkstrauertag und so die Wertigkeit der Städtepartnerschaft deutlich machen.

"Ihr seid hier bei uns zuhause" – Abschied und Wiedersehensfreude vereinigten sich in diesen herzlichen Worten von Samuel Hazard. Ja, man hatte nicht nur miteinander geredet, sondern sich tatsächlich etwas zu sagen. Dieses ehrliche, aufrichtige Empfinden durchdrang den gesamten Besuch.